Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 12. Oktober 2016 übermittelt. Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext. Deutscher Bundestag Drucksache 18/9972 18. Wahlperiode 14.10.2016 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Luise Amtsberg, Volker Beck (Köln), Beate Walter-Rosenheimer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/9842 – Registrierung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Ausländerzentralregister V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r Seit dem Inkrafttreten des Datenaustauschverbesserungsgesetzes am 5. Februar 2016 wird im Ausländerzentralregister das Merkmal der Einreise als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling gesondert erfasst. Dies lässt zum ersten Mal abseits der Jugendhilfe- und Asylstatistik Rückschlüsse über die tatsächliche Anzahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland zu – vorausgesetzt die zuständigen Behörden registrieren die jungen Menschen als solche. Für die Bewertung von spezifischen Bedarfen ist es nun erstmals möglich, Daten zu Alter, Geschlecht und Wohnort in Verbindung mit dem Aufenthaltsstatus für diese besonders schutzbedürftige Gruppe zu erfassen. Für die fragestellende Fraktion ist zudem von Bedeutung, wie die Daten gepflegt werden und wie insbesondere Fehler im Bereich der Alterseinschätzungen systematisch und zeitnah im Ausländerzentralregister korrigiert werden. V o r b e me r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g Die Annahme in der Vorbemerkung der Fragesteller, wonach infolge des Inkrafttretens des Datenaustauschverbesserungsgesetzes am 5. Februar 2016 im Ausländerzentralregister (AZR) das Merkmal der Einreise als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling gesondert erfasst wird, ist nicht zutreffend. Einen Speichersachverhalt „unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“ sieht das genannte Gesetz nicht vor. Der Gesetzgeber hat durch die im Datenaustauschverbesserungsgesetz vorgesehenen zusätzlichen Speichersachverhalte auch nicht beabsichtigt, hier etwa eine statistische Erfassung spezifisch der in Deutschland lebenden unbegleiteten minderjährigen Ausländer vorzunehmen oder zu ermöglichen. Richtig ist, dass § 3 Absatz 2 Nummer 9 des Ausländerzentralregistergesetzes (AZRG) folgende Formulierung enthält: „Bei Ausländern nach § 2 Absatz 1a Vorabfassung - w ird durch die lektorierte Version ersetzt. Drucksache 18/9972 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode und 2 Nummer 1 werden zusätzlich gespeichert: (Nr. 9) das zuständige Bundesland , die zuständige Aufnahmeeinrichtung und Ausländerbehörde, bei minderjährigen Kindern und Jugendlichen, deren unbegleitete Einreise nach Deutschland festgestellt wird, das Jugendamt der vorläufigen Inobhutnahme und das endgültig zuständige Jugendamt“. Entgegen der Annahme der Fragesteller erfolgt jedoch nicht bereits durch den Erstregistrierer die verbindliche Festlegung/Entscheidung, ob eine minderjährige Person unbegleitet im Sinne des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII) ist. Durch den Erstregistrierer kann (aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen) lediglich die Feststellung erfolgen, ob eine minderjährige Person ohne Begleitung einreist. Die verbindliche Entscheidung, ob es sich bei der betreffenden Person um einen unbegleiteten Minderjährigen im Rechtssinn handelt, bleibt den dafür zuständigen und über entsprechende Fachkenntnisse verfügenden Jugendämtern vorbehalten . Dieser Entscheidung der sachkundigen Jugendämter über das Merkmal „unbegleitet“ kommt insofern noch mehr Bedeutung zu, als für die aktenführende Behörde gemäß § 3 Absatz 2 Nummer 9 AZRG lediglich die Möglichkeit besteht, das Merkmal „unbegleitete Einreise“ als solches zu speichern; dies ist aber technisch nicht als Pflichtfeld ausgestaltet. Zudem handelt es sich hier um sog. Freitextfelder , bei denen regelmäßig nicht garantiert werden kann, dass die zuständigen Behörde – im Regelfall die zuständige aktenführende Ausländerbehörde – Es ist jedoch zu beachten, dass Ausländer stets regulär gemäß dem AZRG erfasst werden müssen, was die Datenlage in Bezug auf die in Deutschland insgesamt aufhältigen Ausländer erheblich verbessert. Diese Verbesserung wirkt sich so auch auf unbegleitete Minderjährige aus, da diese – unabhängig von der rechtlichen Eigenschaft „unbegleitet“ – als Ausländer registriert werden. Die im AZRG benannten Stellen haben insoweit auch die erforderlichen personenbezogenen Informationsmöglichkeiten ; unabhängig von der Frage, ob das Merkmal „unbegleitet “ im AZR erfasst ist. Die Datenlage wird also schon allein durch die Registrierung des Ausländers als solcher (nebst Fingerabdruck und Lichtbild) erheblich verbessert; darüber können Mehrfachregistrierungen ein und derselben Person vermieden oder ein Wiederauffinden einer Person erleichtert werden. Vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Umstände enthalten derzeit im AZR nur etwas mehr als 100 Datensätze Angaben zum o. g. Sachverhalt. 1. Wie viele minderjährige Personen sind im Ausländerzentralregister als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge am Stichtag 15. September 2016 registriert (bitte nach Bundesland, in Verbindung mit dem Geschlecht, Herkunftsland und Alter aufschlüsseln)? 2. Wie viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge befinden sich zum Stichtag 15. September 2016 in Deutschland (bitte nach Bundesländern in Verbindung mit der Art der jugendhilferechtlichen Versorgung, Minderjährige und junge Volljährige im Altverfahren nach den §§ 89d, 42, 42a des Achten Buches Sozialgesetzbuch – SGB VIII –, nach der Anschlusshilfe, § 27 SGB VIII und der absoluten und relativen Quotenerfüllung der einzelnen Bundesländer nach dem Königsteiner Schlüssel aufschlüsseln)? 3. Über welchen Aufenthaltstitel verfügen die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Ausländerzentralregister registrierten minderjährigen Personen (bitte nach Bundesländern in Verbindung mit dem Herkunftsland aufschlüsseln )? Vorabfassung - w ird durch die lektorierte Version ersetzt. Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/9972 4. Wie viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind am Stichtag 15. September 2016 im Ausländerzentralregister 2016 in welchem ausländerbehördlichen Bezirk registriert (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)? 5. Bei wie vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen wurde aufgrund einer Entscheidung der Bundesagentur für Arbeit über die Zustimmung zur Beschäftigung die Beschäftigung untersagt (bitte nach Bundesländern und Ablehnungsgrund aufschlüsseln)? 6. Bei wie vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen wurde aufgrund einer Entscheidung der Bundesagentur für Arbeit über die Zustimmung zur Beschäftigung die Beschäftigung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen erlaubt (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)? 7. a) Wie wird mit dem Merkmal „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ im Ausländerzentralregister verfahren, wenn die betroffene Person volljährig wird? b) Wie viele mittlerweile volljährige Personen sind im Ausländerzentralregister als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge registriert worden (bitte nach Bundesland in Verbindung mit dem Geschlecht, Herkunftsland und Alter aufschlüsseln)? c) Über welchen Aufenthaltstitel verfügen die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge registrierten Personen, die mittlerweile volljährig geworden sind (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)? Die Fragen 1 bis 7 werden gemeinsam beantwortet. Aussagefähige AZR-Daten stehen nicht zur Verfügung. Soweit statistische Angaben zu Frage 2 vorliegen, werden diese in der beigefügten Anlage dargestellt. Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. 8. a) Inwieweit sind die Personen, die vom Bundesverwaltungsamt im Rahmen der Erfassung der Verteilung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge erfasst werden, auch im Ausländerzentralregister erfasst? Das Bundesverwaltungsamt benennt gemäß § 42b Absatz 1 des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII) innerhalb von zwei Werktagen nach Anmeldung eines unbegleiteten minderjährigen Ausländers (umA) zur Verteilung durch die zuständige Landesstelle das zu dessen Aufnahme verpflichtete Land. Maßgebend dafür ist die Aufnahmequote nach § 42c SGB VIII. Diese Verteilung erfolgt nach Personenanzahl ohne konkrete Namen und bewirkt unmittelbar auch keine Eingabe in das AZR. Allerdings werden auch umA im AZR erfasst, wenn die allgemein gültigen Voraussetzungen für eine AZR-Erfassung gegeben sind. b) Falls noch nicht alle unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge erfasst sind, warum ist dies noch nicht geschehen? Bis wann erwartet die Bundesregierung, dass die zuständigen Behörden die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge umfassend registriert haben ? c) Welche Behörde ist für die (Nach-)Erfassung des Merkmals „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ zuständig? Die Fragen 8b und 8c werden gemeinsam beantwortet. Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Vorabfassung - w ird durch die lektorierte Version ersetzt. Drucksache 18/9972 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode 9. Welche Behörden haben die Möglichkeit und die Befugnis, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Ausländerzentralregister zu registrieren und Änderungen vorzunehmen? Die Erstregistrierung von umA erfolgt nach der Einreise durch die zuständige Ausländerbehörde, die Bundespolizei und die Polizeien der Länder, die damit datenübermittelnde Stellen in Bezug auf das AZR sind. Speichersachverhalte, die – soweit der umA nach Bestellung eines Vormunds einen Asylantrag stellt – das Asylverfahren betreffen, sind durch das BAMF zu erfassen. 10. Welches Verfahren ist vorgesehen, wenn nach der Registrierung im Ausländerzentralregister der Vormund eines unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings oder das Jugendamt feststellt, dass das Alter bzw. der Name falsch aufgenommen wurde? Die datenübermittelnde Stelle ändert die falsch eingegebenen Daten im AZR im Regelfall selbst ab. Es ist aber auch möglich, dem AZR schriftlich einen Datenbereinigungsauftrag zu übermitteln. 11. Innerhalb welches Zeitraumes werden die gemeldeten Fehler korrigiert, und wer entscheidet über die Änderung eines Eintrags? Die Änderung der Daten als Teil der Datenpflege ist ausschließlich von der datenübermittelnden Stelle durchzuführen. Gemäß § 8 Absatz 1 Satz 2 hat die Datenpflege unverzüglich zu erfolgen. Es obliegt damit der datenübermittelnden Stelle, die erforderlichen Entscheidungen im Sinne der Frage eigenverantwortlich zu treffen. Vorabfassung - w ird durch die lektorierte Version ersetzt. Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/9972 A nl ag e 15 .0 9. 20 16 U M B un de sl än de r K ön ig st ei ne r S ch lü ss el 2 01 5 * fü r uM (A ltv er fa hr en na ch 8 9d ) fü r ju ng e V ol ljä hr ig e (e he m . u M - A ltv er fa hr en na ch 8 9d ) fü r U M A - V or lä uf ig e In ob hu tn ah m e fü r U M A - In ob hu tn ah m e fü r U M A - A ns ch lu ss m aß - na hm en (H zE u nd so ns tig e) fü r U M A - ju ng e V ol ljä hr ig e S um m e al le r ju ge nd hi lfe - re ch tli ch en Zu st än di gke ite n (t ag es ak tu el l) Q uo te nü be r- / -u nt er - sc hr ei tu ng SO LL - Zu st än di gke it ge m . Q uo te Q uo te ner fü llu ng S um m e un be ge le ite te M in de rj äh ri ge (t ag es ak tu el l 15 .0 9. 20 16 ) B ad en -W ür tt em be rg (B W ) 12 ,8 64 56 % 1. 82 2 98 2 59 9 1. 02 0 3. 38 4 49 6 8. 30 3 94 8. 20 9 10 1, 1% 6. 82 5 B ay er n (B Y ) 15 ,5 18 73 % 5. 73 2 3. 26 7 17 7 62 8 79 3 96 10 .6 93 79 0 9. 90 3 10 8, 0% 7. 33 0 B er lin (B E ) 5, 04 92 7% 1. 20 0 38 6 42 91 4 30 8 49 2. 89 9 -3 23 3. 22 2 90 ,0 % 2. 46 4 B ra nd en bu rg (B B ) 3, 06 05 3% 28 9 75 21 35 5 63 0 10 3 1. 47 3 -4 80 1. 95 3 75 ,4 % 1. 29 5 B re m en (H B ) 0, 95 68 8% 1. 01 4 70 3 24 48 14 3 1 1. 93 3 1. 32 2 61 1 31 6, 6% 1. 22 9 H am bu rg (H H ) 2, 52 96 8% 1. 11 2 96 0 40 75 1 89 2. 27 7 66 3 1. 61 4 14 1, 1% 1. 22 8 H es se n (H E ) 7, 35 89 0% 3. 00 2 1. 64 0 25 0 26 9 92 5 98 6. 18 4 1. 48 8 4. 69 6 13 1, 7% 4. 44 6 M ec kl en bu rg -V or po m m er n (M V ) 2, 02 90 6% 31 4 44 3 35 6 25 1 31 99 9 -2 96 1. 29 5 77 ,2 % 92 4 N ie de rs ac hs en (N I) 9, 32 10 4% 1. 14 8 43 0 77 1. 22 2 2. 19 1 27 3 5. 34 1 -6 07 5. 94 8 89 ,8 % 4. 63 8 N or dr he in -W es tf al en (N W ) 21 ,2 10 10 % 3. 96 5 1. 29 2 31 4 2. 84 8 3. 92 4 53 9 12 .8 82 -6 52 13 .5 34 95 ,2 % 11 .0 51 R he in la nd -P fa lz (R P ) 4, 83 71 0% 52 8 21 3 67 53 2 1. 23 7 10 4 2. 68 1 -4 06 3. 08 7 86 ,9 % 2. 36 4 S aa rl an d (S L) 1, 22 17 3% 38 4 17 4 14 44 12 5 15 7 89 8 11 8 78 0 11 5, 2% 56 7 S ac hs en (S N ) 5, 08 38 6% 42 2 37 12 82 7 1. 12 1 46 2. 46 5 -7 79 3. 24 4 76 ,0 % 2. 38 2 S ac hs en -A nh al t ( S T) 2, 83 06 8% 13 3 22 10 59 4 55 0 47 1. 35 6 -4 50 1. 80 6 75 ,1 % 1. 28 7 S ch le sw ig -H ol st ei n (S H ) 3, 40 33 7% 95 3 26 5 53 36 2 39 6 53 2. 08 2 -9 0 2. 17 2 95 ,9 % 1. 76 4 Th ür in ge n (T H ) 2, 72 45 1% 33 6 37 10 18 7 74 1 34 1. 34 5 -3 94 1. 73 9 77 ,4 % 1. 27 4 S um m e al le r Zu st än di gk ei te n 10 0, 00 00 0% 22 .3 54 10 .5 27 1. 71 3 10 .2 81 16 .7 20 2. 21 6 63 .8 11 63 .8 11 51 .0 68 V er so rg un g, B et re uu ng u nd U nt er st üt zu ng v on u nb eg le ite te n au sl än di sc he n M in de rj äh ri ge n (U M A ) - a kt ue lle V er te ilu ng a uf d ie B un de sl än de r - Ju ge nd hi lfe re ch tli ch e Zu st än di gk ei t * D er K ön ig st ei ne r S ch lü ss el fü r 2 01 6 w ird n ac h E rla ß de r 2 . V O ü be r d en F in an za us gl ei ch u nt er d en L än de rn im A us gl ei ch sj ah r 2 01 4 be re ch ne t u nd v er öf fe nt lic ht . B is d ah in g ilt d er K ön ig st ei ne r S ch lü ss el 2 01 5 fo rt. Vorabfassung - w ird durch die lektorierte Version ersetzt. Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de ISSN 0722-8333