Der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat namens der Landesregierung die Kleine Anfrage mit Schreiben vom 29. November 2012 beantwortet. LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 6/1312 6. Wahlperiode 30.11.2012 KLEINE ANFRAGE des Abgeordneten Johann-Georg Jaeger, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bildungsstätte bei der Jugendherberge Prora und ANTWORT der Landesregierung Die im Juli 2011 neu eröffnete Jugendherberge Prora sollte wegen der besonderen historischen Bedeutung des Ortes für die NS- und DDR- Geschichte ursprünglich gemeinsam mit Räumlichkeiten für eine neue Bildungsstätte bei der Jugendherberge eröffnet werden. Aus Kosten- gründen wurde der Ausbau der Bildungsstätte zunächst zurückgestellt. Im Jahr 2010, während der Bauphase der Jugendherberge, initiierte die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern ein Interessenbekundungsverfahren, bei dem sich Einrichtungen für die Trägerschaft der Bildungsstätte bewerben konnten. Es bewarben sich das Dokumentationszentrum Prora, damals noch unter der Trägerschaft der Stiftung Neue Kultur, Berlin, und der gemeinnützige Verein PRORA- ZENTRUM, der eine staatlich anerkannte Einrichtung der Weiterbildung ist. Das Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung Mecklen- burg-Vorpommern wählte das PRORA-ZENTRUM als Träger der zukünftigen Bildungsstätte bei der Jugendherberge Prora aufgrund des Bildungskonzeptes und der wirtschaftlichen Planungen aus. Anfang 2012 wurde eine Bauplanung für den Bereich der Bildungsstätte neben der Jugendherberge erstellt, die von der Landesregierung und dem neuen Landkreis Vorpommern-Rügen finanziert wurde. Seitdem gibt es keine Initiative, den Ausbau für die Bildungsstätte in die Wege zu leiten. Drucksache 6/1312 Landtag Mecklenburg-Vorpommern - 6. Wahlperiode 2 1. Wie positioniert sich die Landesregierung in Bezug auf diesen Still- stand? 2. Das seit 10 Jahren bestehende PRORA-ZENTRUM, ab 2008 zunächst Kooperationspartner des Jugendzeltplatzes und dann 2011 auch der Jugendherberge Prora, steht heute vor der Situation neben einer hoch modernen Jugendherberge mit Jugendlichen und Erwachsenen im ständigen Provisorium arbeiten zu müssen. Welchen Stellenwert räumt die Landesregierung der Bildungsstätte bei der Jugendherberge Prora ein? 3. Das PRORA-ZENTRUM betreibt ständig Forschungsarbeit zur NS- und insbesondere zur DDR-Geschichte Proras. Der Fachbeirat des Vereins, in dem sich auch ein ehemaliger Bausoldat von Prora befin- det, begleitet diese Forschungsarbeiten beratend. Die Geschichte des Militärstandortes Prora ist unter anderem auch die Geschichte der Bausoldaten, der Waffenverweigerer der DDR. Prora als größter Standort von Bausoldaten in der DDR ab Ende 1982 spiegelt zugleich einen Teil der Oppositionsgeschichte der DDR wider. Welche zeitlichen Perspektiven für den Bau der Bildungsstätte können den Menschen der Region, ehemaligen Bausoldaten und ehemaligen NVA-Angehörigen sowie Touristen aus dem In- und Ausland genannt werden? Die Fragen 1 bis 3 werden zusammenhängend beantwortet. Angesichts der historischen Bedeutung des Ortes sieht die Landesregierung die Notwendigkeit , die Geschichte Proras wissenschaftlich und didaktisch angemessen in all ihren historischen Facetten für Besucherinnen und Besucher vor Ort zu erforschen, zu dokumen- tieren und historisch-pädagogische Angebote für unterschiedliche Zielgruppen vorzuhalten. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt die Landesregierung über die Landeszentrale für politische Bildung schon jetzt Träger vor Ort, die sich diesen Aufgaben stellen. Die Errichtung einer Bildungs- und Begegnungsstätte im Block V der Anlage im direkten Anschluss an die Jugendherberge Prora wäre aus Sicht der Landesregierung im Sinne einer weiteren Professionalisierung der Erinnerungsarbeit vor Ort wünschenswert. Die Entschei- dung, ob und in welchem Umfang die Errichtung der Bildungsstätte in Angriff genommen wird, obliegt jedoch in erster Linie dem Landkreis Vorpommern-Rügen als Eigentümer des Blocks V. Entsprechende Initiativen zur etwaigen Errichtung einer Bildungsstätte müssen von dort ihren Ausgang nehmen.